• Werner Langer:
    "Kunst mit Köpfen", in Der Tagesspiegel, Berlin, 26.11.1988
    Der Tagesspiegel / Feuilleton
    26. November 1988

    Kunst mit Köpfen
    Lietzow bei Lietzow


    "Mit unterschiedlicher Betonung, zum einen als Galerist und Maler, zum anderen als Maler und Galerist, betätigt sich Godehard Lietzow seit Jahrzehnten. Kunsthändlerisch führt er Ausstellungen durch, dann wiederum zeigt er eigene Werke. Studiert hat er Malerei, selbstständig begann er mit zeitgenössischen Bildern, Plastiken und Zeichnungen zu handeln, und als Aquarellist tritt er seit einigen Jahren hervor. Derzeit gibt es kräftig ausgeführte Zeichnungen von ihm zu sehen, ohne Umstände der Einfachheit halber gleich in seiner Galerie – nach bekannten Vorbildern wie Pels-Leusden oder Florian Karsch, die eigene Arbeiten in ihren sonst Käthe Kollwitz und meist Brücke-Malern vorbehaltenen Räumen vorführten.
    Nach früheren, locker gemalten und in sich verlaufenen Wasserfarbenstücken griff er zu Kohle und Kreide, meist nach rotbraunen Stiften. Schwungvoll und skizzenhaft legt er zeichnerische Notizen an, umriss häufig jugendliche Gesichter mit hoher Stirn unter geringeltem Harr, setzte eigenwillige Gebilde dazu. "Kopfzeichen" und "Tannenzeichen" entstanden, "Kopf und Beine" tauchen zusammen auf. Oft stehen sich malerisch verwischte Striche und strenge Linienzüge gegenüber, sorgen für grafischen Gegensatz und Reiz. Ja, thematisch Ungewöhnliches versucht Lietzow auf Blättern wie "Boxer und Ereignis" oder "Kopfgeschichte" zu verbinden, hier setzt er auf Spannung, seit langem wohnen schließlich zwei Berufe in ihm. Nur einen kraushaarigen "Schönkopf" nimmt er von alledem aus, skizziert in plakativ, belässt ihn gleichsam ungeschoren."

    Werner Langer

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