• Tina Lüners:
    "Schönheit - und was dann?" in Göttinger Tageblatt, Göttingen, 17.09.2002
    Göttinger Tageblatt / Kultur
    17. September 2002

    Schönheit – und was dann?
    "Feuer, Wasser, Körperfelder"
    von Godehard Lietzow im Künstlerhaus


    "Am Sonntag wurde im Künstlerhaus die Ausstellung "Feuer, Wasser, Körperfelder" von Godehard Lietzow durch Dr. Jens-Uwe Brinkmann eröffnet. Zu sehen sind überwiegend Aquarelle, aber auch Mischtechniken und Gouachemalereien, insbesondere aus jüngerer Zeit.

    Lietzow aquarelliert auf den erstaunlich großformatigen Papieren nicht nass in nass, er legt semitransparente Farbschichten, Tupfen, Streifen prozesshaft übereinander. Warme gelbe, rote und orange Töne unterlegen zum Thema "Feuer" dunkle schwarze, graubraune flüssig gestaltete Farbflächen. Starke Kontraste dienen zur Steigerung der Assoziationskraft. Farblich eher im kühlen Bereich liegen die "Dämmerschnellen", der "Blausturz zur Nacht" und das "Blaue Fliessen".
    Versenkung und Abkühlung
    Wasser, das zweite Element, auf das der Künstler referiert, ist leicht zu erkennen. Wasserfälle, Stromschnellen. Flirrend bieten sich in rhythmisch fließender Bewegung sprenklige Diagonalen zur Versenkung oder Abkühlung an. Weitaus flächiger gestaltet sind die "Körperfelder" in unterschiedlicher Tönungen, sie gehen, wie auch die anderen Themen, nicht vom Gegenstand aus, sondern lassen ihn nur erahnen, die Farbe gebietet, Titel wie "Torso" oder "Blauleib" bringen den Betrachter auf den Weg.
    Godehard Lietzow, nach einem Kunst- und kunstpädagogischen Studium langjähriger Galerist und Kritiker, arbeitet seit 1978 als freischaffender Künstler in Berlin. Freie Kunst studierte er indessen bereits 1960-1962 bei Fred Thieler , einem der bedeutendsten Vertreter des deutschen Informel, der zu einer Synthese aus abstraktem Expressionismus und Action-Painting gelangte. Auch Lietzow, so sagt er selbst, unterschreibe "Freiheit als oberste Maßgabe der Kunst", ein nicht festgelegtes, assoziatives und dennoch reflektierendes Arbeiten, den Anspruch, keinem festgelegten Konzept zu folgen. Doch das Fragende scheinbarer Zufälligkeit verliert sich im Anblick vieler ähnlicher, häufig diagonaler Formen. Wertigkeiten von Form und Farbe werden merklich gegeneinander abgewogen.
    Ein Sinnlich-emotionaler Zugriff auf diese Aquarelle über die kraftvollen, kontrastierenden Farben ist unabdingbar. Doch das ist weder neu noch überraschend. Was bleibt jenseits dieses ausgewogenen subjektiven Gehalts, jenseits des "Kunst-Schönen" für den Betrachter?"

    Tina Lüers

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