• Marina Dinkler:
    "Godehard Lietzow - Neue Zeichnungen 1980-82", Faltblatt der Galerie Marina Dinkler, Berlin"Aquarelle zum Anfang", in Der Tagesspiegel, Berlin, 7.11.1982
    Text zur Ausstellung "Neue Zeichnungen 1980-1982"
    in der Galerie Marina Dinkler Berlin



    "Als Godehard Lietzow im Herbst 1979 zum ersten Mal Zeichnungen und Aquarelle ausstellte, brachte das die Wogen der Badewanne der Berliner Kunstszene zwar nicht zum Überschwappen, aber leichte Gischt mit Schaumentwicklung war schon festzustellen.
    Schließlich stellte da nicht irgendein junger Künstler zum ersten Mal aus, sondern ein Renegat, ein "Abtrünniger", wie es Peter Hans Göpfert in der "Welt" formulierte, "aus dem Kreise der Berliner Kunstkritiker - nach Jahren erfolgreicher Kunsthändlerei hat er sich längst zu den Machern gesellt....Wo einer, der selbst kritisiert hat und dann, ausstellend, höchsten ästhetischen Anspruch vertrat, eigene Arbeiten allgemeinem Urteil aussetzt, sind nicht nur die zahlreichen Freunde, sondern auch die Spötter auf dem Sprung."
    Jetzt, nach beinahe zwei Jahren, zeigt Godehard Lietzow neue Zeichnungen. Es wäre bei weitem besser, wenn sich die zu erhoffende Neugier weniger auf den malenden Kunsthändler bezöge - davon haben wir schließlich noch mehr - sondern mehr auf die erstaunliche Entwicklung eines gewiss nicht unbegabten (Heinz Ohff im..."Tagesspiegel") zu einem sehr bemerkenswerten Zeichner.
    Lietzows Thematik ist geblieben, seine Innenwelt ist immer noch seine Außenwelt. immer noch sind die ironisch-witzigen Titel Schutzschilder aggressiver Verletzlichkeiten und Verletzungen. Und immer noch sind alles "sehr private Arbeiten, aber nicht nur persönlich", wie Jörn Merkert im Katalogtext zur letzten Ausstellung notierte. Doch die neuen Zeichnungen sind reduzierter, sie sind in der Linienführung eindeutiger und klarer geworden. Zur Feder hinzu kommen Pinselzeichnungen und Lavierungen, das Geflecht aus unbewussten Automatismen, durch das er im Echo seiner ersten Ausstellung immer wieder in die Nähe von Wols, Klee, Michaux gerückt wurde, hat sich gelichtet. Das Gerümpel der Innenwelt, die "Amöben der Seele" (Merkert), das alles ist da, ist noch klarer geworden ohne den schwarzen Schleier gnädiger Distanz.
    Hier arbeitet keiner, der voll im Trend liegt, am allerwenigsten im Berliner Trend. Grund genug, ihn zum Kunsttage-Thema "Ausländer in Berlin" zu zeigen. Man muß ja nicht immer alles so wörtlich nehmen."

    Marina Dinkler
    1982

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