• Karl-Veit Riedel:
    "Das Dunkel ist immer gegenwärtig", in Nord-West-Zeitung, Oldenburg, 1.11.1990
    NWZ (Nordwestdeutsche Zeitung) Oldenburg
    1. November 1990

    Das Dunkel ist immer gegenwärtig
    Arbeiten von Godehard Lietzow
    in der Galerie Moderne


    "Der Berliner Künstler Godehard Lietzow wurde 1937 in Schneidemühl geboren und studierte von 1959 bis 1962 in Hannover und Berlin. 1960 stellte er erstmalig aus. von 1963 bis 1969 war er als Journalist tätig und 1970 gründete er in Berlin eine Galerie. Erst 1973 nahm er die eigene künstlerische Tätigkeit wieder auf. Mit Aquarellen aus den letzten acht Jahren präsentiert ihn jetzt die Galerie Moderne in Bad Zwischenahn erstmalig in einer umfangreichen Ausstellung im Nordwesten Deutschlands.
    Lietzow ist ein echter Aquarellist, der die Möglichkeiten dieser besonderen Art der Malerei voll ausschöpft. Seine Farben sind niemals laut und bleiben auch da, wo sie intensiv wirken, zart. Überhaupt scheint sich in den Welten, die er zur Erscheinung bringt, alles in Stille zu vollziehen. aus den verschiedenen Farben bilden sich Flächen, die in sich durch kleinere Flächen oder durch Punkte belebt sind und andere Flächen überlagern. An den Rändern ergeben sich Linien, so dass Raumzonen und Bewegungen entstehen, meist in einer einzigen Diagonale. Die Formen bleiben amorph, nur einmal lassen sich Figuren erahnen, deuten sich Gestalten und meditative Zeichen an.
    Was der Betrachter am Ende vor Augen hat, erleben und sich erschließen kann, ist nicht von Anfang an vom Künstler geplant, sondern ist das Ergebnis seines durch Landschaft- und Natureindrücke oder andere Erlebnisse geleiteten eigenständigen Malprozesses. Es ist ein ausschnitt aus einer sich selbst überlassenen Schöpfung, in dem die Elemente Feuer, Wasser und Luft existieren, bevor sie sich zu Dingen und Gestalten geordnet haben und bevor die Erde noch kaum formen ausgebildet hat. Rot ist eine Leitfarbe bei Lietzow, und das Feuer ist bei ihm ein dominantes Thema. Eine zweite Leitfarbe ist das Blau, das den Raum zur Erscheinung bringt als dunkle Endlosigkeit. entsprechend häufig begegnet uns in den Bildtiteln das Wort "Nacht".
    ein sanftes Leuchten ist das erste, was an Lietzows Arbeiten auffällt, doch es ist immer begleitet oder umgeben von Zonen des Dunkels, ohne dass sich ein scharfer Kontrast bildet. Das Dunkle, aus dem die Dinge entstanden oder in das sie zurücksinken und das die Vielfalt der Welt in sich birgt, ist als Erfahrung und Hintergrund bei Lietzow immer gegenwärtig."

    Karl-Veit Riedel

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