• Godehard Lietzow:
    "Feuer - Wasser - Körperfelder", Text zur Ausstellung Godehard Lietzow, "Feuer - Wasser - Körperfelder", Künstlerhaus Göttingen, 2002
    Godehard Lietzow zu seiner Ausstellung "Feuer-Wasser-Körperfelder
    im Künstlerhaus Göttingen 2002

    Der Titel nennt die zentralen thematischen Ausrichtungen der in dieser Ausstellung versammelten Bilder und darüber hinaus die meines malerischen Werks der zurückliegenden zwanzig Jahre. Die Elemente "Feuer" und "Wasser" faszinieren und beschäftigen mich seit langem und sind auch heute noch ideeller Ausgang zu meiner künstlerischen Arbeit. Die Elemente "Erde" und "Luft" werden bildlich nicht direkt genannt, spielen in meiner Kunst auch eher eine begleitende Rolle: "Erde" als landschaftliche Struktur und Vision, "Luft" als lichttragendes atmosphärisches Wehen in und über Feuer und Wasser.

    Hinzu kommt das Thema "Mensch" - weniger erfasst als individuelle oder ganzheitliche Gestalt, sondern als Leib, als Torso, als bildhaftes Körperfragment, geboren aus einer malerisch-sinnlichen Annäherung.
    Über Jahre habe ich das Thema "Feuer" immer wieder unter Bildtiteln wie "Die Nacht und das Feuer", "Feuerengel" oder "Feuerleib" zusammengefasst - das Thema Wasser in Titeln wie "Dunkelschnelle", "Blaues Fließen" oder "Lichte Wasser" - und das Thema Mensch in Titeln wie "Corpo blu", "Torso", "Körperfeld".

    Meine Bilder sind alles andere als naturalistische oder realistische Wiedergaben der Realitäten ringsum, sind vielmehr Imagination und Ausdruck einer gedanklichen und sinnlich erlebten Reflexion, sind am ehesten als bild-malerische Poesie zu betrachten: so wahr wie ein Gedicht, ein Lied oder die Musik - nach ähnlichen Regeln erstellt wie diese, eben nur mit bildnerischen Mitteln realisiert, gemalt mit Farbe, Wasser und Pinsel als Aquarell oder Gouache.
    Zugrunde liegen rythmische Ordnungen, formale Beziehungen, die sich oft erst im Malprozess entfalten - belebt durch die Kraft der Farbe: Farbe nicht in ihrer bloßen chemisch-physikalischen Beschaffenheit, sondern in ihrer spirituellen, d.h. geistigen Wirkkraft und Sinnhaftigkeit. Wichtig ist, dass die gefundene "Imago" beim Betrachter ein Echo bewirkt und
    einen visuellen Eindruck hinterlässt, der das Bild vollendet. Ohne sein Sehen, Erspüren, Erkennen bleibt das Bild unwirksam, und ich möchte fast sagen: ohne ihn ist es eben nicht existent.
    Zum Malen brauche ich Zeit, oft sehr viel Zeit, so spontan der einzelne malerische Gestus auch gesetzt sein mag. Vom Betrachter erwarte, erwünsche ich gleichfalls Zeit und Muße. So sind meine Bilder nicht Bilder für jedermann und schon gar nicht für eilfertige Seher bestimmt.
    Wer sich Zeit zum Betrachten schenkt, dem verraten die Bilder vielleicht ihr Geheimnis.


    Godehard Lietzow
    2002

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