• Dr. Ursula Prinz:
    Eröffnungsrede zur Ausstellung "Lietzow 60", Studio Pels-Leusden, Berlin, 1997
    Eröffnungsrede zur Ausstellung "Lietzow 60" Studio Pels-Leusden Berlin 1997

    Godehard Lietzow gehört zu den Menschen mit vielen Berufen und Berufungen. er war u.a. Germanistik-Student, Journalist
    und gemeinsam mit Horst Hartmann Galerist. Er liebt Musik, Gedichte und die Natur. Er reist gern und ist trotz allem eines
    geblieben: Berliner, obwohl unsere Stadt auch nur seine Wahlheimat ist. Vor nunmehr - man glaubt es kaum - 60 Jahren
    wurde er in Schneidemühl geboren. Aber als Berliner ist er ja erst 37 Jahre alt.
    Und noch eins ist geblieben: Maler und Zeichner. Auch wenn andere Dinge gelegentlich im Vordergrund standen, vor allem
    das Galeristendasein, so hat er doch immer auch künstlerisch gearbeitet und seit 1973 tut er dieses wieder in großem Umfang.
    Auch die Galeristentätigkeit hat er seit 1979 ganz aufgegeben.
    Wenn auch das Erleben der Natur für ihn und seine Kunst ganz wichtig ist, so bleibt doch die Berliner Basis die allerwichtigste.
    Hier in seinem Berliner Atelier sind die meisten seiner Arbeiten entstanden, von den figürlichen Zeichnungen, die oft einen
    hintergründigen Humor verraten, bis hin zu den großen und schönen farbenprächtigen Aquarellen der letzten Jahre.

    Von strengeren, ans Geometrische anknüpfenden, klar umrissenen Formen gelangt er zu freieren Gestaltungen, die aber einer
    Gesamtbewegung oder -form unterworfen sind. Der frei fließende Malstrom wird immer gebändigt und in Form gehalten.
    Für Lietzows Technik ist daher nicht das Ineinanderfließende nasser Farben charakteristisch, sondern das durchlässige
    Übereinanderlegen von Farbflüssen. In vielen Malschichten, die immer erst trocknen müssen, überlagern sich die helleren
    Farben, oft vor dunklem Hintergrund. Die Farbgrenzen sind deutlich definiert und verschwimmen nicht. Klarheit und
    Durchsichtigkeit sind Grundthemen von Godehard Lietzows Malerei. Darin unterscheidet er sich auch von seinem
    Hochschullehrer Fred Thieler, dem er in vielem allerdings auch verpflichtet ist, z.B. darin, dass er die Grundfarben Blau, Gelb
    und Rot bevorzugt und immer wieder miteinander variiert. Dass er sich nie ganz vom Thematischen löst, ist allerdings sein
    ganz persönliches Merkmal.
    Die Vier Elemente sind ein solches Thema, aber auch der Mensch, die Landschaft, der Vulkan. Nun darf man allerdings nichts
    Abbildhaftes erwarten.Der Künstler schildert vielmehr die Dinge von Innen heraus, erfasst das Wesentliche, das er in Farbe
    umsetzt. Das wohl jedem Künstler zunächst fürchterliche Weiß des Blattes wird erst mit einigen Farbspritzern besetzt, aus
    denen heraus sich dann die Fläche verdichtet. Oft verfolgen die Pinselstriche eine handschriftartige Schräglage.
    Der Farbkatarakt ist ganz typisch für die eruptive Malweise des Künstlers. Daher liegt ihm das Thema des Feuers, des Vulkans
    oder des Wasserstromes auch näher als das der ruhigen Erde oder der leichten Luft. Schwärzen und Dunkelheiten bilden
    manches Mal den Untergrund. Die Schönheit der Natur und der Elemente wird durchaus vor dem Hintergrund der Vergänglichkeit
    betrachtet. So wie es ohne Tod kein Leben gäbe, so gibt es ohne das Schwarz auch die Farbe nicht und keine Höhen und Tiefen.
    Godehard Lietzow schöpft seine Inspiration aus dem täglichen Erleben, aus der Erfahrung seiner Umgebung und seiner
    Mitmenschen. Er begreift sich als Wanderer, In der Welt und der eigenen Seele.
    Auch mit Worten hat er diesen Zustand beschrieben.

    Dr. Ursula Prinz
    1997

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