• Dr. G.C.Rump:
    "Auf der Suche nach neuen Horizonten" in Berliner Morgenpost, Berlin, 11.05.2003
    Berliner Morgenpost / Kultur
    11. Mai 2003

    Auf der Suche nach neuen Horizonten

    "Schon die Maler im Mittelalter wussten um die Schönheit reiner Farbgestaltung ohne gegenständlichen Bezug. Vor vielen Jahren hat der Maler Bernhard Schultze im Wallraf-Richartz-Museum zu Köln einmal eine Ausstellung gezeigt, in der seine abstrakten Farbbilder neben mittelalterlichen Werken hingen, in deren Hintergründen Partien zu erkennen waren, die große Ähnlichkeit mit seiner Malerei aufwiesen. Nichts Neues unter der Sonne also, die Abstraktion. Nun, in gewisser Weise gibt es schon Neues, denn was früher eine bescheidene Hintergrundexistenz in dienender Funktion führte, wurde so gängige Version, 1910 von Wassily Kandinsky zum Thema der Kunst gemacht.
    Abstrakte Gestaltung hat ihre Freunde, und das zu Recht, denn hier kann man, ähnlich wie in vieler Musik, den reinen ästhetischen Elementen seine Erlebnisfähigkeit widmen. Godehard Lietzow ist ein der Bewegung der Farbe verpflichteter Künstler, und in der Galerie Hartmann & Noé kann man sich davon überzeugen.
    Lietzow, ein Schüler Fred Thielers, 1937 in Schneidemühl geboren, lebt und arbeitet seit 1960 in Berlin. Seine bewegten Gouachen zeigen vielschichtig übereinander gestaffelte Bildebenen, verdecken und offenbaren zugleich. Sie fordern einen aktiven Betrachter, der, etwa in der Serie "Horizonte", in verschiedenen Formen – schmale Farbzonen oder schriftähnliche Irritationen im Bildfeld – vorkommende Trennungslinien von "oben" und "unten als einzige Orientierung mitbekommt.

    Dr. G.C. Rump

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